GfG-Jahrestagung 2008

Dokumentation der Tagung „Familienbildung – Prävention von Anfang an“

Von einem Lebensabschnitt zum nächsten – begleiten, unterstützen, ermutigen

Die Jahrestagung 2008 der GfG fand in Kooperation mit dem FrauenGesundheitsZentrum Frankfurt FGZN statt.
Die GfG entwickelt seit fast 30 Jahren Kurskonzepte, die sich eng an den Bedürfnissen werdender und junger Eltern orientieren. Die von der GfG ausgebildeten Kursleiterinnen sind durch ihre fundierte Ausbildung auf hohem fachlichen Niveau gefragte Ansprechpartnerinnen im Bereich der Familienbildung und Frauengesundheit.


Das 1978 von GfG-Frauen gegründete FrauenGesundheitsZentrum für Frauen und Familien Frankfurt FGZN begleitet seither Frauen aus Frankfurt und Umgebung. 1989 wurde ein eigenständiger Verein gegründet. Seitdem liegt der Schwerpunkt des FGZN auf Angeboten für Frauen und Familien. Die familienbegleitenden GfG-Konzepte werden seit Jahren erfolgreich umgesetzt und weiter entwickelt.

Die Tagung griff aktuelle Diskussionen über die Gefährdung des Kindeswohls und einen verbesserten Kinderschutz auf. In diesem Zusammenhang wurde die politische und gesellschaftliche Bedeutung der Familienbildung deutlich ins Blickfeld gerückt.

Zu Beginn der Fachtagung begrüßte am Freitagnachmittag die Gesundheitsdezernentin der Stadt Frankfurt, Frau Dr. Manuela Rottmann TeilnehmerInnen und Veranstalterinnen. Sie machte deutlich, dass die Stadt Frankfurt die Bedingungen und Angebote für Familien weiter verbessern möchte und dabei auf die Kooperation mit kompetenten Partnern wie dem FGZN und dem Kinder- und Familienzentrum Fechenheim angewiesen ist.

Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, griff mit seinem Vortrag „Familienbildung – Prävention von Anfang an“ den Titel der Tagung auf.

Über „Moderne Familienbildung mit GfG-Konzepten“ berichtete Inés Brock in ihrem Vortrag. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin,  Erziehungswissenschaftlerin und GfG-Geburtsvorbereiterin® war maßgeblich am Aufbau des seit 1990 bestehenden IRIS-Regenbogenzentrums in Halle a. d. Saale beteiligt. Heute leitet Inés Brock u.a. die dortige Erziehungsberatungsstelle.
Das IRIS-Regenbogenzentrum ist die größte Familienbildungsstätte Sachsen-Anhalts. GfG-Konzepte werden dort erfolgreich umgesetzt und den Bedürfnissen der Familien vor Ort angepasst.

Auf der am Abend stattfindenden GfG-Jahreshauptversammlung wurde u.a. der neue Bundesvorstand der GfG gewählt. Elisabeth Geisel und Birgit Ehrmüller wurden in ihren Ämtern bestätigt. Unter großem Beifall konnten gleich zwei neue Vorstandsmitglieder begrüßt werden. Thea Hasselmann-Götze und Doris Niebergall verstärken künftig den Vorstand.

Der Samstagvormittag brachte den TeilnehmerInnen der Tagung mit vier Vorträgen konkrete Beispiele moderner Familienbildung, Überlegungen zur Einbeziehung von Vätern und die Bandbreite der Arbeit mit GfG-Konzepten von einem Lebensabschnitt zum nächsten.

Beginnend stellte Melanie Weimer mit den Willkommenstagen in der Frühen Elternzeit neue Zugangswege zur Familienbildung vor. Das Gemeinschaftsprojekt der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt und der Katholischen Familienbildung Frankfurt richtet sich an Familien in schwierigen Lebenssituationen, die nicht von sich aus auf die bestehenden Angebote der Familienbildung in der frühen Elternzeit zurückgreifen. So z.B. an besonders junge Mütter, Familien in einer schwierigen finanziellen oder sozialen Situation, Eltern ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung oder mit geringen Deutschkenntnissen. Melanie Weimer konnte als Projektleiterin anschaulich über die Herausforderungen und die Erfolge der Pilotphase des Projektes berichten.

Am Beispiel des Kinder- und Familienzentrums in Frankfurt-Fechenheim zeigten Nasaria Makey und Iris Fiedler, wie durch den positiven Blick auf die Familie die bereits vorhandenen Ressourcen gestärkt werden können.  Das Kinder- und Familienzentrum orientiert sich dabei am Konzept der Early Excellence Centres in England. Kinderbetreuung und Familienbildung ergänzen sich in Fechenheim auf optimale Weise. Das Zentrum wird als ein Ort gemeinsamen Lernens für Kinder, ErzieherInnen und Eltern verstanden. Durch die den Vortrag begleitenden Fotos und einen anschließenden kurzen Film konnten sich die Tagungs-TeilnehmerInnen einen lebendigen Eindruck von der kulturellen Vielfalt verschaffen, die die Arbeit im Kinder- und Familienzentrum prägt.

Dr. Harald Seehausen stellte danach Konzepte der Väterarbeit in der Familienbildung und in Tageseinrichtungen vor. Der Sozialwissenschaftler und Innovationsberater konzentrierte sich in seinem Vortrag auf sehr unterschiedliche Erfahrungen mit „aktiver Vaterschaft“ in Unternehmen, Kindertageseinrichtungen, Sportvereinen und Bürgerinitiativen. Dort gewinnt er Anregungen und Impulse für die Väterarbeit. Dabei konnte Dr. Seehausen auch auf eigene Forschungsergebnisse und familiäre Erfahrungen zurückgreifen, die er auf unterhaltsame Weise in seinen Vortrag einbrachte.

Ute Gehweiler berichtete sehr persönlich von ihren Erfahrungen in der Arbeit mit den unterschiedlichen GfG-Konzepten. Von der Geburtsvorbereitung zu den Wechseljahren begleitet sie Frauen von einem Lebensabschnitt zum nächsten. Ute Gehweiler hat mit dem „Eichenhäuschen“ ein Zentrum für´s Frau- und Elternsein geschaffen, in dem sie als GfG-Geburtsvorbereiterin® und GfG-Wechseljahresberaterin® beratend und begleitend arbeitet. Dieser persönliche und motivierende Vortrag beendete den Vortragsvormittag.

Am Nachmittag teilten sich die Teilnehmerinnen der Tagung auf, um an den Workshops teilzunehmen. Ein Teil fuhr nach Frankfurt Fechenheim, wo das bereits im Vortrag vorgestellte  Kinder- und Familienzentrum in Augenschein genommen wurde. Nasaria Makey führte die Gruppe durch das helle, kind- und familiengerecht gestaltete Haus. Ein direkt benachbartes Einfamilienhaus dient als Familienbildungsstätte. Den Teilnehmerinnen der Führung wurde deutlich, was bereits im Vortrag von Iris Fiedler und Nasaria Makey angeklungen war. In Fechenheim ist gelungen, was vielerorts versucht wird: Kinderbetreuung und Familienbildung an einem Ort stattfinden zu lassen und Eltern und Kindern damit einen Ort zu schaffen, an dem sie lernen, aber auch leben, sich begegnen und kennenlernen können.

An die Führung schlossen sich die Workshops A bis D an:

Vom Fabel®-Konzept zum offenen Spielcafé – neue Zugangswege zu bildungsfernen Familien

Interkulturelle Väterarbeit im Kinder- und Familienzentrum

Die Selbsthilfegruppe „Blues Sisters“ – Erfahrungen mit der Bestärkung von Frauen, die Depressionen nach der Geburt erleben

Balance zwischen Beobachten und aktivem Spiel mit dem Baby im Fabel®-Kurs

Teilnehmerinnen, die die Workshops E und F gebucht hatten, blieben im Tagungshaus „Haus der Jugend“ und konnten sich thematisch im Bereich der Wechseljahre fortbilden.

Körperarbeit in den Wechseljahren

Erfahrungen mit dem Hormon-Yoga – Bewertung der Methode für Kurse in den Wechseljahren

Nach dem Abendessen schloss der Workshop Shakti-Dance in der Körperarbeit mit Carolin Heuring den informativen und atmosphärisch dichten Tag ab.
Carolin begeisterte mit ihrem Tanz und führte alle Tagungs-Teilnehmerinnen in die Grundlagen des Shakti-Dance ein. Diese Tanzform führt durch die einmalige systematische und harmonische Kombination von Yoga, Energiearbeit und Tanz in die Kunst des bewussten und freien Tanzes ein. Etliche Teilnehmerinnen waren anschließend so inspiriert, dass der Workshop schließlich einen fließenden Übergang zu freiem Tanz fand.

Am Sonntag trafen sich die Tagungsgäste nach dem Frühstück zur Auswertung der Tagung. Generell fand das Programm viel Anklang. Vor allem der Praxisbezug und der aktuelle politische Bezug der Tagung wurden gelobt. Am Beispiel des Tagungsortes Frankfurt konnte ein politischer Schwerpunkt gesetzt werden, da sich hier rund um das Thema Familienbildung in den letzten Jahren viel getan hat. Und das nicht zuletzt durch die hervorragende Arbeit der Frankfurter GfG-Frauen des FGZN.

Im Anschluss konnten sich die Teilnehmerinnen über „Kinder, Küche, Kirche – Familienarbeit im Wandel der Zeit“ in einem mobilen Workshop informieren. Dieser Workshop beendete dann auch die GfG-Jahrestagung 2008.